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Wenn es um Notationssoftware, also Software zur Musiknotation, geht lässt sich das Angebot auf dem Markt in verschiedene Kategorien unterteilen. Zum einen gibt es die „Industriestandards“ für den professionellen Bereich. Diese sind erforderlich, wenn man mit bestimmten Verlagen zusammenarbeitet oder wenn das Layout internationalen Standards entsprechen soll.
Dann gibt es den semi-professionellen und hobbybasierten Bereich. Die hier angebotene Software ist meist kostenlos und Open Source. Zusätzliche Inhalte, wie Sounds, Layouts und Musikbibliotheken, können kostenpflichtig erworben werden. Das Layout dieser Software ist in der Regel nicht mit dem der professionellen Software vergleichbar. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein gutes und übersichtliches Layout nicht möglich ist; es erfordert jedoch oft einen erheblichen Mehraufwand.
Ein weiterer Bereich umfasst webbasierte Notationseditoren. Diese sind cloudbasiert und in ihrer Funktionalität oft stark eingeschränkt. Ihr Nutzen liegt in der weltweiten Verfügbarkeit und der Möglichkeit, mobil zu arbeiten, ohne auf ein spezielles Endgerät angewiesen zu sein. Lösungen wie Noteflight bieten zudem weitere Vorteile im Bildungssektor, die jedoch für einzelne Nutzer sehr teuer werden können und sich nur in bestimmten Anwendungsfällen lohnen.
Ein weiterer Bereich umfasst die Integration bzw. Zusammenarbeit mit einer DAW (Digital Audio Workstation). Wer hauptsächlich Audioproduktionen erstellt, aber auch Noten eingeben und in seiner DAW weiterverarbeiten möchte, benötigt in der Regel kein komplexes Notationsprogramm. Oftmals werden Noten nur für einzelne Instrumente oder Instrumentengruppen (wie Streicher oder Bläser) benötigt. Hier empfiehlt sich ein Blick auf die Integration von Notationsmöglichkeiten in der DAW.
Dieser Überblick erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dennoch haben wir versucht alle möglichen Softwarelösungen hier aufzuführen. Sollten Sie eine Software vermissen, lassen Sie und das gerne über das Kontaktformular wissen.



Der professionelle Sektor definiert quasi den Branchen- und Industriestandard und teilt sich traditionell auf die Programme Sibelius und Finale auf. Wobei Sibelius in den letzten Jahren Finale überholt hat. Finale ist mittlerweile tatsächlich Final, heißt es wird vom Entwickler nicht mehr weiterentwickelt. Ist aber weiterhin uneingeschränkt nutzbar. Dorico von Steinberg hat eine Vereinbarung mit Finale und es gibt ein sehr günstiges Crossgrade von Finale zu Dorico. Das bedeutet nicht das die Finale Version verloren geht. Vielmehr bekommen Sie zu dem Finale das Sie bereits besitzen, Dorico hinzu. Das Angebot ist sehr gut und aufgrund einiger Vorteile ist ein Umstieg auf Dorico sehr zu empfehlen.
| Software | Hersteller | Verbreitung | Plattformen | Preis (Hersteller) |
|---|---|---|---|---|
| Sibelius | Avid | Weltweit noch führend | Windows, macOS, iOS | 899€ |
| Finale | MakeMusic | Besonders im US-Amerikanischen Verlags- und Bildungsbereich verbreitet | Windows, macOS | Nicht mehr verfügbar Crossgrade zu Dorico 149€ |
| Dorico | Steinberg / Yamaha | Stark wachsend und besonders in Europa verbreitet | Windows, macOS, iOS | 579€ |
Dorico wird von der Firma Steinberg hergestellt die unter anderem auch Cubase und Nuendo entwickeln. Die besonderen Merkmale sind der, einer strikten Logik folgende, moderne Programmaufbau. Das automatisierte Layout sowie die sehr flexible und oft sehr mächtige Eingabe von musikalischen Vortragsbezeichnungen.
Der Software Hersteller Avid stellt auch den Audio Produktionsstandard Pro Tools her. Ähnlich wie Pro Tools definiert auch Sibelius den Quasi-Industriestandard. Neben Finale ist es immer noch das am meisten genutzte Notationsprogramm im professionellen Verlagssektor. Zu den größten Stärken des Programms zählt die schnelle Noteneingabe über die Computertastatur. Sibelius ist auf einen schnellen Eingabeworkflow ausgelegt.
Finale wird seit 2025 nicht mehr weiterentwickelt. Finale ist vor allem in den USA sehr verbreitet. Die großen Notenverlage Hal Leonard und Alfred Music arbeiten mit Finale-basierten Workflows. Finale besticht durch die maximale Freiheit im Layout. Komplexe Schlagzeugnotationen oder grafische Notation sind hier sehr gut zu realisieren und das Programm bietet dem Anwender Freiheiten die bei der Konkurrenz so nicht möglich sind.
Abseits der Big-Player existieren noch zahlreiche andere Programme die bestimmte Zielgruppen abdecken aber nicht die Marktrelevanz von Sibelius, Finale oder Dorico erreichen.
Erste Versuche den Notensatz mithilfe PC gestützter Systeme und einer Notationssoftware zu ermöglichen gab es ab dem Jahr 1960. Die ersten Programme am Markt ware MusE und Amadeus. 1971 veröffentlichte Leland Smith die „Sechs Bagatellen für Klavier“ welche gemeinhin die ersten Musikstücke als Computersatz markieren.
Ab den 80er Jahren setzten sich der Atari ST und Acorn RISC Computer als Endgeräte durch, der Durchbruch in den Verlagen geschah aber erst Mitte der 80er Jahre mit dem Aufkommen von günstigen Laserdruckern. Verlage konnten so schnell und Kostengünstig Noten drucken. Während Anfangs das Script-basierte Score den Industriestandard setzte kam im Jahr 1988 mit Finale das erste Notensatzprogramm mit grafischer Nutzeroberfläche auf den Markt. Auch der Logic Vorläufer, Notator SL, erschien in dieser Zeit für den Atari ST und gilt als erster Sequenzer mit Notensatzfunktion.
Alle Programme hatten in der Anfangszeit mit funktionalen Grenzen zu kämpfen. Erst nachdem die PCs in den frühen 90er Jahren auch für Privatpersonen relevant wurden kam durch die gesteigerte Nachfrage eine rasante Entwicklung in der Softwareindustrie, und somit natürlich auch bei den Notensatzprogrammen. Capella und Sibelius und noch viele weitere Softwarelösungen erschienen und kämpften um Ihren Platz im Markt. Heute sind zwar noch viele Programme am Markt verfügbar, aber nur wenige haben sich eine Nische erobern können und werden noch aktiv und regelmäßig weiterentwickelt.
Im Profibereich haben sich Sibelius und Finale durchgesetzt. Die Frage welches Programm man nutzt entwickelte sich zu einer Art „Fanboy-Kampf“ wie er auch bei Windows gegen macOS oft zu spüren ist. Finale hat im Jahr 2025 die Entwicklung eingestellt, das Programm kämpfte seit jeher immer tiefer verschachtelten Menüs. Die Code Basis aus den Anfangstagen bedarf einer umfangreichen Modernisierung.
Das wäre ein Mammut Projekt geworden und ob sich die Kosten dafür jemals rentiert hätten bleibt fraglich. Außerdem haben schon andere damit begonnen. Die Firma Steinberg übernahm die entlassenen Entwickler von Sibelius und starteten mit Dorico einen kompletten Neuanfang. Zur Zeit ist es die Notationssoftware die am rasantesten Entwickelt wird und viele ehemalige Finale Kunden durch ein Cross Upgrade mitgenommen hat.